Wahlkreis Tübingen

Klimawandel im Obstbau? Die Extreme machen die Probleme.

 

In den vergangenen paar Jahren hat das Wetter für einige schlimme Ernte-Ausfälle gesorgt auf dem Obstgut Bläsiberg. Das hat uns Stefan Grüter gestern berichtet, einer der Geschäftsführer. Etwa 15 sehr unerschrockene und sehr wetterfest gekleidete Gäste waren mit dabei, als wir am Dienstagnachmittag den demeter-Betrieb besichtigt haben und im strömenden Regen auch übers Gelände gelaufen sind.

 

Es sind die Extreme, die den Obstbauern das Leben schwer machen. Das Superhageljahr 2013 natürlich. Oder das Superfrostjahr 2017, als das Thermometer in einer Nacht auf minus sechs Grad fiel und alles erfror – obwohl Grüter und sein Team nachts um zwei Uhr noch versucht hatten, mit so genannten Frostkerzen das Schlimmste zu verhindern.

 

Auch heuer gingen etwa 30 Prozent der Apfelernte durch Kälte verloren. Verluste kann inzwischen aber auch die Sonne verursachen, haben wir vom studierten Landwirt Grüter erfahren: Bekommt ein Apfel Sonnenbrand, ist nicht nur die Haut, sondern auch das Fruchtfleisch geschädigt. Das taugt dann auch nicht mehr zum Mosten: „Kompost“, sagte er lapidar.

 

Die ersten Hagelschutz-Netze gab es auf dem Bläsiberg zufällig schon 2012, vor dem großen Hagel, sie hielten ihm nicht überall stand. Trotzdem gibt es die Netze inzwischen an vielen Stellen auf dem zehn Hektar großen Gut. Neuerdings nicht mehr weiße, sondern dunkle, denn die bieten auch ein bisschen Sonnenschutz. Grüter sagt aber auch: Optimismus ist wichtig. Insgesamt seien die 25 Jahre gut gelaufen, seit die zwei Familien gemeinsam das Obstgut Bläsiberg als Pächter betreiben.

 

Mich hat das beeindruckt. Wie viel Arbeit drinsteckt, macht man sich nicht klar, wenn man in einen Apfel beißt. Bio-Obstbau ist anspruchsvoll, erst recht in Tübingen, denn wir sind hier nicht in einer Zone, die sich klimatisch besonders gut dafür eignet. Derzeit wird das Wetter extremer und unberechenbarer, das macht es nicht einfacher. Frost, Hagel, Trockenheit, Hitze – man kann sich schlicht nicht gegen alle Eventualitäten absichern.

 

Vielen Dank an Stefan Grüter für die spannende Führung und an die Unverdrossenen, die sich trotz des Dauerregens mit uns auf den Weg gemacht haben!

 

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