Wahlkreis Tübingen

Gedanken in der Woche der Gemeinschaftsschulen

Auch 2020 gibt es die Woche der Gemeinschaftsschulen, und auch dieses Jahr hatte ich deswegen einige Termine und Gespräche hier im Wahlkreis.
Und klar – wir wollen auch dieses Jahr die Idee der Gemeinschaftsschulen stärken und gute Schulkonzepte voranbringen. Aber man braucht echt keine Brille, um mitzukriegen: In den Schulen stehen derzeit ganz andere Themen im Vordergrund. Ich habe viel Verunsicherung und auch einigen Ärger gehört.
Die Tage sind derzeit in allen Schulen geprägt von der enormen Anstrengung, alles am Laufen zu halten. Die vergangenen Monate waren für die meisten Schulen eine ungeheure Belastung, es gab sehr viele zusätzliche Aufgaben. Und es wird nicht einfacher.

Fünf Punkte und Themen habe ich mitgenommen:

1. Digitalisierung
Dieses Thema nimmt gerade eine ganz ungute Wendung. Viele haben mich wissen lassen, dass sie an den Schulen die konstruktive Unterstützung des Kultusministeriums schmerzlich vermissen. Die technischen Lösungen, die das Ministerium angestrebt hat, haben ewig auf sich warten lassen. Derweil haben viele Schulen selbst die Initiative ergriffen und eigene Lösungen gefunden, die nun auch funktionieren. Doch diese Konzepte sollen nun alle eingestampft werden zugunsten der zentralen Lösung vom Ministerium – wobei die vielleicht längst nicht so gut funktioniert. Das wird von vielen an den Schulen als absolut nicht hilfreich erlebt, im Gegenteil. Ist doch schade, wenn man etwas Funktionierendes zerstört und es ersetzt durch etwas, was deutlich schlechter ist! Das konterkariert die Digitalisierungsbemühungen der Schulen.

2. Präsenzunterricht
Auch wenn es darum geht, ob Schülerinnen und Schüler in der Schule anwesend sein sollen, macht das Kultusministerium klare Vorgaben: Präsenzunterricht ist so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Das passt nicht überall. Es gibt auch Schulen, die längst digitale Lernformate eingeführt haben und so die Lage entschärfen könnten – sie fühlen sich jetzt unnötig eingeschränkt vom Kultusministerium. Und auch hier werden Digitalisierungsbemühungen konterkariert.

3. Technische Ausstattung
Nach wie vor arbeiten viele Lehrerinnen und Lehrer mit ihren privaten Geräten. Obwohl vom Ministerium angekündigt und versprochen, wurde vom Land bislang nichts zur Verfügung gestellt. Das ist bitter, das ärgert viele, das kann ich auch verstehen.

4. Organisatorische Herausforderungen
Gemeinschaftsschulen haben es derzeit besonders schwer, ist mein Eindruck. Speziell für die Oberstufe müssen sie sehr vieles berücksichtigen und unter einen Hut bekommen. In allen Klassenstufen ab der 8. Klasse gibt es Schülerinnen und Schüler, die kurz vor einem Abschluss stehen. Hier müssen die Organisatoren sehr viele verschiedene Lösungen parallel durchdenken und ermöglichen. Den Unterricht aufrechtzuerhalten, ist absolut aufwändig.

5. Motivation
Die Folgen der Pandemie führen dazu, dass sich massiv verändert hat, wie Kinder ihre Schule erleben. Sie soll Lernort und Lebensort sein. Doch all das, was Schule eigentlich spannend und interessant und abwechslungsreich macht, findet inzwischen nicht mehr statt. Und das gilt ganz besonders für die Gemeinschaftsschulen mit ihren innovativen Konzepten. Es gibt keine Exkursionen mehr und keine Arbeitsgemeinschaften, keine Besuche und kein gemeinsames Erleben in den Klassen. Alles ist zurückgeworfen auf klassische, althergebrachte Unterrichtsmethoden. Auch das trägt dazu bei, dass die Anspannung in den Schulen immer weiter zunimmt und es schwieriger wird, die Schülerinnen und Schüler zu motivieren.

Was können wir tun?
Bei den derzeit so hohen Corona-Fallzahlen haben wir wenig Spielraum, insofern ist diese Debatte derzeit tatsächlich schwierig. Ich finde aber, dass Schulen neben klaren Leitlinien mehr Freiheiten brauchen. Damit sie individuelle Wege beschreiten können und eigene Lösungen finden, die zu ihnen passen.

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