Wahlkreis Tübingen

Europäische Lösungen fürs Klima

Fachlich ging’s in die Tiefe bei der Online-Diskussion mit dem Europa-Abgeordneten Micha Bloss
Statt in der Tübinger Panzerhalle traf man sich im Netz: Der Stuttgarter Europa-Abgeordnete der Grünen, Michael Bloss, hat am Montag als Gast von Daniel Lede Abal über die europäische Klimapolitik gesprochen. 15 Gäste waren online mit dabei, etwa eineinhalb Stunden lang.

Europa ist auf einem guten Weg, zumindest den Zahlen nach. Um 60 Prozent soll der CO2-Ausstoß bis 2030 gesenkt werden, das hat das Europa-Parlament kürzlich beschlossen. Nicht zuletzt, weil sich Micha Bloss als einer der profilierten Klimapolitiker dafür stark gemacht hat.

Umso kritischer sieht er das, was derzeit in der europäischen Agrarpolitik passiert, das wurde am Montag deutlich. Denn die trägt auch weiterhin viel zu wenig zum Klimaschutz bei – obwohl gerade in diesem Sektor sehr viel mehr CO2 eingespart werden müsste und könnte. Doch dazu wird es wohl so schnell nicht kommen: Der aktuelle Beschluss des Parlaments sorgt dafür, dass Subventionen weiterhin von der Größe des Landbesitzes abhängen und nicht davon, dass die Bewirtschaftung umweltfreundlich ist. Eine vertane Chance, über die sich Micha Bloss sehr ärgert.

Wo es noch Stellschrauben gibt, fasste er für die Zuhörerinnen und Zuhörer zusammen. Ganz vorne dran ist der Braunkohleabbau: Würde Deutschland den endlich aufgeben, wäre sehr schnell sehr viel erreicht. Im Sektor der Erneuerbaren Energien sieht Micha Bloss große Chancen. Indem hier weiter ausgebaut wird, können viele neue Arbeitsplätze entstehen. Außerdem haben sie finanziell viele Vorteile: Sie sind deutlich günstiger zu gewinnen, damit können auch die Energiepreise für Verbraucher niedriger gehalten werden.

In der Verkehrspolitik fordert Michael Bloss mehr: Das Schienennetz muss besser werden, und für Elektroautos braucht es CO2-Standards auf europäischer Ebene.

Die wirksamste Waffe sei am Ende, mal wieder, das Geld. „Vieles hängt davon ab, ob wir es in Europa schaffen, CO2-Ausstoß sehr teuer zu machen.“ Derzeit sind 40 Euro pro Tonne CO2 geplant, „am liebsten wären mir aber 180 Euro“.
In der Fragerunde zeigte sich schnell: Am Montagabend haben sich viele fachkundige Menschen mit in die Veranstaltung eingeklinkt. Es ging detailliert um CO2-Zertifikate und Förderung rund ums EEG, also das neue Erneuerbare-Energien-Gesetz. Die Kipppunkte fürs Klima wurden angesprochen – ab wann gibt es kein Zurück mehr, und was müsste man tun, um das noch aufzuhalten? Derzeit geht man davon aus, dass die CO2-Reduktion bei etwa 65 Prozent liegen müsste, um zu verhindern, dass die Temperaturen um mehr als 1,5 Grad steigen. Dafür wäre also auch die Klimapolitik der EU noch nicht ehrgeizig genug, fürs neue Gesetz hatte man sich nur auf die 60 Prozent einigen können.

Die Diskussion zeigte aber auch: Eine ökologische Transformation der gesamten Gesellschaft ist nicht nur ein Ideal, sie ist auch technisch noch möglich. Es gibt Anzeichen, dass ein Umdenken einsetzt. Beispielsweise entdecke Polen gerade, wie viele Möglichkeiten es entlang der Küsten gibt, um dort Offshore-Anlagen zu errichten.

Aus der Runde kam die Frage, wie es in den nächsten zwei, drei Jahren in der europäischen Klimapolitik weitergeht. Da ist viel zu tun: Alle Klimaschutzmaßnahen auf EU-Ebene müssen angepasst werden, damit die CO2-Reduktion so schnell wie möglich vorankommt. Diese nächsten Schritte sind laut Micha Bloss entscheidend: Es gehe darum, jetzt möglichst schnell möglichst viel zu erreichen. Denn wenn die Klimaänderungen erst eingetreten sind, müsse man damit auf unabsehbare Zeit leben – und die Folgen seien fatal.

Und was ist nun schlimmer, Corona oder Klimawandel? Für Micha Bloss eine eindeutige Sache – der Klimawandel. Dagegen wird er auch weiterkämpfen.

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