Soziales & Integration

Unterwegs in Kopenhagen

Als Mitglied des Ausschusses für Soziales und Integration habe ich letzte Woche meine Koffer gepackt. Wir waren drei Tage lang zu Gast in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen zum fachlichen Austausch mit dänischen Ministerien, Behörden und Organisationen.

Unsere Reisegruppe: 18 Landtagsabgeordnete aller Parteien. Unser Programm: ein dicht bestückter Zeitplan, der uns ins dänische Ministerium für Einwanderung und Integration, ins Ministerium für Kinder und Bildung, ins Innen- und Sozialministerium sowie in Dänemarks Parlament Folketing brachte; außerdem in die deutsche Botschaft, ins Rathaus von Kopenhagen und in ein Asylzentrum.

Überall haben wir interessante, fachkundige Ansprechpartner getroffen, es gab spannende Vorträge, intensive Diskussionen und kollegialen Austausch.

Mich haben besonders die beiden Begegnungen mit der dänischen Nichtregierungsorganisation (NGO) „Danish Refugee Council“ beeindruckt – die ich übrigens schon kannte, seit ich mit dem Innenausschuss vor einiger Zeit ein Flüchtlingslager in Griechenland besucht habe, wo diese Organisation schon lange sehr gute Arbeit leistet. Das „Danish Refugee Council“ hat im dänischen System eine besondere Rolle, weil es einerseits mit Ehrenamtlichen arbeitet wie viele NGOs und andererseits auch hoheitliche Aufgaben übernommen hat.

Eine dieser Aufgaben haben wir diesmal besonders kennengelernt: Das „Danish Refugee Council“ steht auch hinter „IntegrationsNet“. Das ist eine Beratungsagentur, die sich speziell darum kümmert, geflüchtete Menschen auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen. In Dänemark ist das dezentraler organisiert als in Deutschland und bei den Kommunen angesiedelt. Die Erfahrungen sind ganz ähnlich wie bei uns: Es geht vor allem darum, die Sprachbarrieren in den Griff zu bekommen. Als sehr hilfreich hat es sich erwiesen, jeder und jedem einzelnen während der ersten Zeit am neuen Arbeitsplatz einen Mentor an die Seite zu stellen, einen persönlichen Ansprechpartner.

Noch ein spannender Punkt: In der dänischen Flüchtlingshilfe hat man unlängst eine neue Strategie entwickelt, um weiblichen Geflüchteten besser gerecht zu werden. Denn die Helfer haben gemerkt, dass ihre bis dahin nicht geschlechtsspezifischen Programme für Frauen weitaus schlechter funktioniert haben. Sie haben sich auf die Suche nach Ursachen begeben und einige Stellschrauben gefunden: Es ist sehr wichtig, die Frauen mit Empowerment zu unterstützen und ihnen klarzumachen, dass sie nun in einer Umgebung sind, in der sie eine andere Rolle übernehmen können. Denn in der Gesellschaft, in der sie bisher zuhause waren, war es oft nicht vorgesehen, dass Frauen mit zum Einkommen beitragen. Es scheint außerdem zu helfen, wenn die Betreuung stärker individualisiert wird, wenn man also mit jeder Frau eine eigene Planung entwickelt und sie darin unterstützt, die Pläne auch umzusetzen. Ich bin sehr gespannt, welche Erfahrungen unsere Kollegen in Dänemark mit diesem Ansatz machen werden.

 

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