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Demokratie müssen wir immer wieder neu erarbeiten!

Letzte Woche hatte ich einen Begleiter im Parlament. Der 11-jährige Aurel war für einen Tag bei allen Sitzungen dabei und hat mir zu meinem Dasein als Abgeordneter Löcher in den Bauch gefragt. Er hat mich ganz schön begeistert. Selten habe ich einen so jungen Menschen mit einem so großen Interesse an der Demokratie kennengelernt.

Diese Demokratie ist in Deutschland nichts Selbstverständliches. Das zeigt jedes Jahr der 9. November. An diesem Tag vor 100 Jahren wurde die erste deutsche Demokratie gleich zwei Mal von Berliner Balkonen ausgerufen. Hier erinnern wir an den Zivilisationsbruch der Nazidiktatur, symbolisiert durch die Reichspogromnacht. Und der 9. November steht auch für die einzig erfolgreiche demokratische Revolution in Deutschland, 1989 in der DDR.

Aurel ist im Jahr 2007 geboren. Diese geschichtsträchtigen Daten sind für ihn und für viele Menschen in unserer Gesellschaft sehr lange her. Er interessiert sich für die Politik, weil er seiner Schwester, die eine Behinderung hat, helfen möchte. Wenn historische Legitimationen für die Demokratie in den Hintergrund rücken, dann ist es Ansporn für uns Demokrat*innen, immer wieder neu für dieses System zu werben.

Dazu müssen wir die Anlässe nutzen. Im nächsten Jahr entscheiden wir bei der Kommunal- und Europawahl über mehrere Ebenen demokratischer Beteiligung: Darüber, wie günstiger Wohnraum vor der Haustür geschaffen werden soll. Und darüber wie Politik in einer globalisierten Welt ihre Durchsetzungskraft behalten kann.

Bei diesen Wahlen geht es um Richtungsentscheidungen: Wie offen soll unsere Gesellschaft sein? Wie europäisch wollen wir sein? Darauf muss die Politik klare, verständliche und realistische Antworten geben. Es geht aber auch darum, dass die Schwester von Aurel sich in unserer Gesellschaft wohl und zuhause fühlt und dass Aurel merkt, dass er etwas verändern kann, wenn er sich bemüht und engagiert.

Demokratie ist anstrengend und kann an vielen Stellen verbessert werden. Sie funktioniert dann gut, wenn sie von einer Gesellschaft getragen wird, die selbst über ihre Zukunft bestimmen möchte. Der junge Aurel hat mir gezeigt, wie es geht: Nicht warten, machen! Wir brauchen so aktive und emanzipierte Menschen, die sich die Demokratie nicht aus der Hand nehmen lassen.

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